Vom Junkie zum Ironman
Suchtprävention: Andreas Niedrig engagiert sich in Buschhütten
Der Buschhüttener Triathlon 1996 ist für Andreas Niedrig ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg aus seiner Drogenabhängigkeit zum erfolgreichen Hochleistungssportler gewesen: Er wurde damals Dritter (und siegte anschließend in Folge dreimal) und hatte damit einen wichtigen Anstoss bekommen, der in einer Profilaufbahn (seit dem 01.10.2000) endete.
Die Geschichte des Andreas Niedrig ist inzwischen hinlänglich bekannt, dieser Weg vom Kind Andreas als Schwimmer, der unterbrochen wurde, als er über den klassischen Suchtweg Zigaretten, Alkohol, Haschisch, Marihuana und Heroin zur lebenden Leiche wurde. Die 14 monatige Therapie in der Schmallenberger Hothausener Mühle brachte den Kurswechsel; der immer noch stark rauchende Andreas kam über seinen Vater, der in seinem Leben eine besondere Rolle spielte, wieder zum Sport. Es war anfangs ein brutaler Weg, der aber schließlich in Spaß, ja auch zum Spaß am Siegen, mündete. Allerdings fand er die sportlichen Zeiten sympathischer, als er als Nobody plötzlich ganz vorne war. Heute erwarte man dies einfach von ihm.
Am 4. Mai 2001 hatte Andreas Niedrig vor seinem Start in Buschhütten einen Tag Trainingspause, die er gerne dazu nutzte, sein Leben Kreuztaler Schülern ziemlich plastisch darzustellen. Zuerst hatten die Schüler der beiden Hauptschulen Buschhütten und Eichen die Gelegenheit genutzt, Andreas intensiv zu befragen. Vor allem die (heimlichen) Raucher unter den Achtklässlern dürfte Andreas Erkenntnis aufhorchen gelassen haben, dass niemand bei der ersten Zigarette, dem ersten Schluck Alkohol oder dem ersten Joint sicher sein kann, dass dieses erste mal zur Sucht führt oder nicht. Und die knüppelharte Therapie, von der Entgiftung des Körpers bis zur Kontaktsperre stimmte sehr nachdenklich.
Wenig später traf Andreas Niedrig auf die Schüler der Clara-Schumann-Gesamtschule, die, wie übrigens auch die Hauptschüler aus Buschhütten und Eichen, sich intensiv mit dem Leben von Andreas im Unterricht auseinandergesetzt hatten. Gewohnt einfühlsam ging Andreas auf die Fragen ein. Überhaupt: der Mut zu Gefühlen, bzw. Gefühle zeigen, ist ihm ein Anliegen. Offen und ehrlich mit seinen Freunden, seiner Familie über sein "Innenleben" zu sprechen, das kann viele Vorteile fürs "richtige Leben" bedeuten. Solche Chancen können auch im Klassenverband wahrgenommen werden.
Abends des 4. Mai 2001 fand noch eine Podiumsveranstaltung im Freibad Buschhütten statt, zu dem der TVG offen eingeladen hatte. Somit war das Publikum ensprechend "bunt" besetzt. Neben Andreas Niedrig konnte Moderator Abelo Afhakama den ehemaligen Leiter der Schmallenberger Therapieeinrichtung, Bernd Markowsky, im Zelt am Freibad begrüßen. Ausgangslage des Themenabends war wieder das Leben des Andreas Niedrig und das Duo Markowsky Niedrig lieferte Einsichten, die viele Verhaltensweisen begründeten und zum Überdenken der eigenen Situation anregten.
Ganz und gar nicht am Thema vorbei ging Andreas Niedrig mit der Forderung, durch massivere Kontrollen, den bis heute relativ- sauberen Triathlonsport, vom Doping frei zu halten. Dies sei ein Bereich, in dem er sich gerne stärker engagieren möchte. Spürt man als Hochleitstungssportler, dass es nach der Einnahme von Dopingmitteln wirklich mit der Leistung aufwärts gehe, ist der regelmäßige Griff zu diesen Mittel wahrscheinlich. Das ist ein Kick, nicht wenig verwandt mit dem ersten Joint...
Diese Veranstaltungsreihe fand mit der Unterstützung der Lehrerschaft bzw. Soz. Päd. Mitarbeiterin der Hauptschulen Eichen und Buschhütten und der Gesamtschule Kreuztal, der Drogenberatungsstelle Kreuztal, der Stadtjugendpflege Kreuztal, der Sportjugend im Kreissportbund Siegen-Wittgenstein statt. Der TVG Buschhütten als Veranstalter bedankt sich bei allen, die sich aktiv bei der Vorbereitungen und Durchführung beteiligt haben.
zurück zu "Aktuelles"